25. September 2007 - 10:21
Grandioses Finale - Vorlicek und Jasinski Meister!
Ein Wochenende der Superlative! Noch nie wurde es so spannend wenn es darum ging die Titel der Deutschen Supermoto Meisterschaft zu verteilen. Als die Piloten der DM in Freiburg ankamen gab es einen Spitzenreiter in beiden Tabellen.

Jerome Giraudo, der französische Aprilia Werkspilot, führte gleichermaßen die S1 und S2 DM an. In der S1 stand er zwar punktgleich mit Petr Vorlicek, dem Tschechen auf der DSR-Suzuki, aber in der S2 hatte er satte 33 Punkte Vorsprung auf Michael Herrmann, der für das Kosak KTM Team an den Start ging.
Das Wochenende versprach den Zuschauern aber nicht nur exzellenten Sport zu bieten, sondern trumpfte auch mit hervorragendem Wetter auf. Daher fanden über 8000 zahlende Gäste den Weg an die wunderbar präparierte Strecke von Freiburg. Der FMC Freiburg hatte mit vielen verschiedenen Ausstellungen und Verpflegungsständen dafür gesorgt, dass ein gemütlicher Volksfestcharakter aufkam, der aber immer wieder und zur rechten Zeit von schnellen und heißen Supermoto Rennen unterbrochen wurde.
Am Samstag Vormittag, im freien Training der S2 Klasse, geschah dann das Unglaubliche. Jerome Giraudo verletzte sich bei einem Sturz der durch nicht vorhersehbare Materialermüdung herbeigeführt wurde. Aufgrund einer Gehirnerschütterung war seine Sicht stark eingeschränkt und er durfte auf Weisung der Rennleitung nicht starten. Somit warteten beide Meistertitel darauf erobert zu werden.
S1-DM
In der S1 war diese Übung ein Leichtes. Der punktgleiche Vorlicek, der bereits beide Meistertitel in der Tschechei und den Europameistertitel in dieser Saison für sich verbuchen konnte, benötigte nur einen Meisterschaftspunkt um zu verwandeln. Nachdem Vorlicek im ersten Wertungsrennen Rang 6 einfuhr, war er neuer Deutscher Meister der Kategorie S1.
In den Rennen der S1 Klasse waren Weltmeister Bernd Hiemer und der neu erstarkte Jürgen Künzel dem Feld davon gefahren. Hiemer siegte in beiden Rennen, obwohl er im zweiten nur zwei Runden vor Schluss den Atem der Zuschauer stocken ließ, als er mit seiner KTM zu Boden ging. Hiemer hielt den Lenker seines WM-Bike aber fest, schwang sich wieder auf und war schneller wieder auf Siegeskurs, als Künzel die Lücke schließen konnte. Im ersten Rennen hatte Bernds jüngerer Bruder das Glück des Tüchtigen. Nachdem sich Herrmann und Rene Esterbauer nicht über die einzunehmende Reihenfolge einig wurden und kollidierten, schlüpfte der Daniel Hiemer Ende des Off-Road durch und schnappte sich Platz drei auf dem Podest, gefolgt von Herrmann und Esterbauer. Im zweiten Rennen war Vorlicek auf drei, vor Esterbauer und dem Belgier Jean Marc Gaillard. Markus Volz, der Dritte in der Meisterschaft konnte in Freiburg nicht starten, da er seine Führung in der Schweizer Meisterschaft verteidigen musste.
Meisterschafts-Endstand S1 DM:
Petr Vorlicek (CZ) - 228 Punkte
Jerome Giraudo (F) - 193 Punkte
Markus Volz (D) - 184 Punkte
Michael Herrmann (D) - 173 Punkte
Bernd Hiemer (D) - 172 Punkte
S2-DM
In der S2 DM hatten durch die Verletzung von Giraudo ganze vier Fahrer eine theoretische Chance die Tabellenführung und somit den Meistertitel zu übernehmen. Am wahrscheinlichsten war dies bei Manolito Welink und Michael Herrmann, während Jochen Jasinski und Dirk Spaniol nur durch eigene Höchstleistung, gepaart mit Platzierungsglück bei den anderen Kontrahenten in den Gewalt des Titels hätten kommen können.
Im ersten Rennen der S2 spurtete der finnische Gast Mauno Hermunen auf der ZUPIN Husqvarna vorne weg und siegte mit einigem Abstand auf Jochen Jasinski. Manolito Welink zog nach, überholte Dirk Spaniol und wurde vor diesem Dritter. Michael Herrmann hatte sich ab Mitte des Rennens den eifrigen Attacken vom Markenkollegen Christian Schreyer zu widersetzen und konnte mit dem fünften Platz zufrieden sein. Nach diesem Rennen war Welink in der Tabelle an Herrmann vorbei und galt für das kommende zweite Rennen als ehester Titelaspirant.
In der Startaufstellung des zweiten Rennens der S2 Klasse war die Spannung förmlich zu sehen. Jasinski brauchte einen Sieg und entsprechenden Abstand zu Welink und Herrmann. Welink stand der DM Titel offen, wenn er Herrmann in Schach halten und Jasinski nicht siegen lassen würde. Herrmann musste Welink auf jeden Fall bezwingen und zumindest auf Rang drei fahren. Als die Ampel aus ging und das Feld los zog war Hermunen erneut vorne, dicht gefolgt von Spaniol und Polesetter Jasinski. Dahinter balgten sich Herrmann, Schreyer und Welink um die vierte Position. Bereits in der zweiten Runde fiel Hermunen durch einen Fehler aus und Spaniol strebte seinem ersten Sieg entgegen. Spaniols Glück währte aber nicht all zu lange, denn ein Zubehörteil versagte den Dienst an seiner Suzuki und der Motor verlor Öl, auf dem der DSR-Teamchef dann selbst stürzte. Nun war Jasinski vorne, Schreyer hatte mittlerweile Herrmann passiert und Welink schaute nicht schlecht auf das Heck des Thüringers. Bei Herrmann lockerte sich nämlich der Auspuff, weshalb er bald Leistung und zum Schluss den Schalldämpfer verlor. Hierdurch war Herrmann aus dem Titelkampf ausgeschieden. Ein solcher technischer Defekt wird nämlich mit einer 5-Plätze-Strafe geahndet. In dieser Situation war Jasinski punktgleich mit Manolito Welink, aber nur so lange der nicht an Christian Schreyer vorbei kommt. Die Dreierkette passierte so die Ziellinie, der Ex-Motocross Profi Jochen Jasinski kann einen Sieg mehr auf seinem Konto verbuchen als Manolito Welink und ist somit neuer Deutscher Meister in der S2 Klasse. Der 38 Jahre alte Eigner einer Hydraulik-Fachwerkstatt im hessischen Hadamar stand vor einigen Jahren im Rampenlicht der Motocross Weltmeisterschaft und war dort lange als Profirennfahrer unterwegs. Am vergangenen Sonntag hat er sich und der ganzen Supermoto Welt bewiesen, dass man nie zu alt ist. Ein grandioser Auftritt des Piloten und seines MH Husaberg Team unter der Leitung von Marcus Haas.
Meisterschafts-Endstand S2 DM:
Jochen Jasinski (D) - 225 Punkte
Manolito Welink (D) -225 Punkte
Jerome Giraudo (F) -220 Punkte
Michael Herrmann (D) -215 Punkte
Dirk Spaniol (D) - 190 Punkte
Fazit
Spannender kann eine Meisterschaft nicht entschieden werden. Der Dominator der Saison 2007, Jerome Giraudo, wird durch eine unglückliche Verletzung noch in letzter Sekunde vom Thron gestoßen. Petr Vorlicek, der neue Deutsche Meister in der S1 gibt offen zu, dass sein DM-Titel im wichtiger sei als der des Europameisters. Mit Jochen Jasinski haben wir einen S2-Meister, mit dem niemand gerechnet hatte.
Die Arbeit an der kommenden Saison im Jahr 2008 läuft schon auf Hochtouren und der ADAC Saarland wird alles daran setzen um mit dem Supermoto Sport erneut einen deutlichen Schritt nach vorne zu machen.